Es geht los! Unser letzter Tag in Ballard ist gekommen und das Wohnmobil steht schon vor der Tür. Bis alles zusammen gepackt ist, hat es zwar ne halbe Ewigkeit gedauert, aber nach einem letzten Einkauf geht es endlich los. Juhuu! Die Freiheit weht uns nach fünf Tagen ohne Auto und Erledigungen ausschließlich zu Fuß förmlich um die Nase und die Vorfreude ist riesen groß. Unser eigenes Zuhause auf vier Rädern und unendlich viele Orte, die wir erobern wollen, liegen vor uns.
Kurz vor der Abfahrt haben wir unsere Pläne auf direktem Weg zur Küstenstraße 101 zu fahren umgeworfen, da Bill (unser Vermieter in Seattle) von den Bergen geschwärmt hat und der Mount Rainier quasi vor der Haustür liegt. Uns ist sofort klar: die 200 Meilen durch die Berge können und wollen wir uns gönnen. Nur noch kurz einen Campingplatz raussuchen und die Buchung ist in der Tasche!
Voller Elan bewältigen wir den Innenstadtverkehr und kommen immer weiter raus aus Seattle. Die Straßen werden schmaler und die Umgebung ländlicher. Es dauert nicht mehr lange, und die weiten Wiesen weichen einer Waldkulisse. Wir fahren mittlerweile schon zweieinhalb Stunden und kommen gut voran. Henry füttern wir in Enumclaw und entscheiden uns hier einen anderen Campingplatz als ursprünglich beabsichtigt anzufahren, da der gewählte direkt an einem Flughafen liegen soll (das zeigte die App natürlich nicht, aber die Landkarte, die wir nun aufgrund des ausgefallenen Internets verwenden). Das bedeutet zwar weitere 60 Meilen, aber die sind es uns wert und die Bewertungen lassen sich sehen. Singend und mit den Worten „guck mal, vor uns und hinter uns ist kein anderes Auto mehr“ fahren wir durch die Wälder Washingtons Richtung Mount Rainier National Park.
40 Meilen später endet unsere Fahrt abrupt. Drei große orange-weiß geringelte Pylonen und zwei weiße Schilder mit der Aufschrift „Road closed“ machen alles zunichte, was gerade noch in unserer Vorstellung existierte. Und ein kurzer Blick in die Karte sagt, dass es keine andere Straße gibt um diese Sperrung zu umfahren. Unfassbar! Im Winter geschlossen sagt die Karte, aber wer kann schon ahnen, dass der Winter hier bis zum 9. Mai geht?! Henry, von der langen Sitzerei und dem Geschepper im Wohnmobil mittlerweile am Ende, brüllt zur Unterstützung der Situation gleich noch ein bisschen lauter. In meiner Panik fahre ich das Wohnmobil die einzige existierende Straße Richtung Crystal Mountain Ski Resort den Berg rauf, da dort oben ja wohl jemand zu befragen sein muss, der uns weiter hilft. Fünf Meilen später beende ich dieses Vorhaben, als die Wassertropfen als Schneeflocken auf der Windschutzscheibe niedergehen. Ich gebe mich geschlagen, wende und fahre die 40 Meilen nach Enumclaw zurück, wo wir uns den nächstgelegenen Campingplatz für die Nacht aussuchen wollen, um diesen Tag ENDLICH zu beenden.
Netz gibt es bis kurz vor der Stadt nicht. Weder das von uns gebuchte und noch ein anderes. Der Nationalpark ist Smartphone freie Zone. Zur Entwöhnung mag das gut sein, mit einem neun Monate alten Kind und der Nacht vor Augen weniger. Zurück in der Stadt suchen wir über die App den nächstgelegenen Campingplatz und fahren auf gut Glück hin, da nach 17 Uhr dort nämlich niemand mehr arbeitet. Nach weiteren 30 Minuten Irrfahrt und völlig am Ende erreichen wir schließlich einen Stellplatz und über die Notfallnummer hilfsbereites Personal, das uns eincheckt und mit Strom versorgt. Übermüdet fallen wir ins Bett, nachdem wir es geschafft haben Henry zu beruhigen und schlafen zu legen. Was wir dabei vergessen ist die Heizung anzuschalten. Das Ergebnis ist eine alte Weisheit vom Zeltplatz: nachts ist es kälter als draußen. Bei fünf Grad Außentemperatur mussten wir heute Morgen erst einmal die Tür aufmachen, damit es warm wird.
Seit ihr nun erfroren?
Oder nicht?
Wie geht’s weiter? ;-)
Haha. Nein, wir habens überlebt. :) es geht also weiter kreuz u quer durch Amerika.